Trainingsmythen im Faktencheck

Was stimmt wirklich?

Rund um Fitness und Gesundheit halten sich manche Aussagen erstaunlich hartnäckig. Oft klingen sie sogar logisch – und genau deshalb werden sie immer wieder weitergegeben. Nachdem wir bereits einige bekannte Fitnessmythen unter die Lupe genommen haben, folgen fünf weitere Aussagen, die im Trainingsalltag regelmäßig zu hören sind.

Mythos 1: „Muskelkater bedeutet, dass das Training besonders effektiv war.“

Stimmt nicht. Muskelkater entsteht vor allem nach ungewohnten oder besonders belastenden Bewegungen und ist kein zuverlässiger Maßstab für die Qualität eines Trainings. Wer regelmäßig dieselben Bewegungen trainiert, bekommt häufig deutlich weniger Muskelkater – obwohl das Training weiterhin wirksam ist. Entscheidend für Fortschritte sind ein ausreichender Trainingsreiz, eine sinnvolle Steigerung und die anschließende Regeneration. Ein gutes Training darf anstrengend sein, muss aber nicht tagelang wehtun.

Mythos 2: „Je mehr ich schwitze, desto mehr Fett verbrenne ich.“

Stimmt nicht. Schwitzen ist zunächst die Klimaanlage unseres Körpers: Durch die Verdunstung von Schweiß wird Wärme abgegeben. Wie stark jemand schwitzt, sagt deshalb wenig darüber aus, wie viele Kalorien oder wie viel Körperfett verbraucht wurden. Wer nach einer schweißtreibenden Einheit auf der Waage weniger wiegt, hat hauptsächlich Flüssigkeit verloren. Nach dem Trinken kommt dieses Gewicht entsprechend wieder zurück.

Mythos 3: „Krafttraining macht unbeweglich.“

Stimmt so nicht. Entscheidend ist vielmehr, wie trainiert wird. Werden Kraftübungen kontrolliert über einen individuell geeigneten, möglichst großen Bewegungsumfang ausgeführt, können Kraft und Beweglichkeit gleichzeitig trainiert werden. Problematisch wird es eher, wenn Bewegungen dauerhaft stark verkürzt ausgeführt oder bestimmte Bereiche vernachlässigt werden. Kraft und Beweglichkeit sind also keine Gegenspieler – ein Körper kann gleichzeitig stark und beweglich sein.

Mythos 4: „Der Muskel muss ständig mit neuen Übungen überrascht werden.“

Stimmt nicht. Muskeln lassen sich nicht „verwirren“. Für eine Anpassung braucht der Körper vor allem einen ausreichenden und mit der Zeit steigenden Trainingsreiz. Genau deshalb kann es sogar sinnvoll sein, Übungen über einen längeren Zeitraum beizubehalten. Nur dann lässt sich gut beurteilen, ob beispielsweise mehr Gewicht, zusätzliche Wiederholungen oder eine bessere Ausführung möglich geworden sind. Abwechslung kann motivieren und neue Reize setzen – ständig alles auszutauschen ist für Fortschritt aber nicht notwendig.

Mythos 5: „Ausdauertraining ist zum Abnehmen besser als Krafttraining.“

So pauschal stimmt das nicht. Beim Ausdauertraining kann während der Einheit viel Energie verbraucht werden. Ob Körpergewicht langfristig sinkt, entscheidet jedoch vor allem die Energiebilanz. Krafttraining hat während einer Gewichtsabnahme einen anderen wichtigen Vorteil: Es setzt einen Reiz zum Erhalt der Muskulatur. Denn das Ziel sollte nicht einfach nur sein, Gewicht zu verlieren, sondern möglichst Körperfett zu reduzieren und Muskulatur zu erhalten. Ausdauer- und Krafttraining müssen deshalb keine Konkurrenten sein. Je nach persönlichem Ziel können beide sinnvoll eingesetzt und miteinander kombiniert werden.

Viele Trainingsmythen entstehen, weil ein kleiner wahrer Kern zu einer allgemeinen Regel gemacht wird. Umso wichtiger ist es, nicht jeden vermeintlichen Fitnesstipp ungeprüft zu übernehmen. Wer versteht, was hinter Training und körperlicher Anpassung steckt, kann sein Training gezielter gestalten – und muss sich von hartnäckigen Mythen nicht ausbremsen lassen.

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