Was ist Boule und Petanque?

Erklärung und Herkunft Boule und Pétanque

»Boule« heißt auf deutsch schlicht und einfach »Kugel« und bezeichnet als Oberbegriff unterschiedliche Kugelspiele. Die populärste Variante dieser »Jeux de Boules« ist Pétanque, das auch in Deutschland immer mehr Freunde findet.

Das Spiel entstand im Jahre 1910 in La Ciotat, einem kleinen Städtchen an der Côte d’Azur. Ein sehr guter und schon etwas älterer Spieler des »Jeu Provençal« musste zuschauen. Sein Rheuma plagte ihn, er konnte weder den Ausfallschritt vollziehen, noch die drei Schritte Anlauf zum Schuss nehmen, zu stark waren seine Schmerzen. Dennoch wollte er seinen Sport nicht aufgeben, und es kam ihm die Idee, die Wurfdistanz um einiges zu verkürzen und zudem ohne Anlauf im Stehen zu spielen.

Bei dieser Variante spielt man auf eine Entfernung von 6 bis 10 m. Von der Abwurfposition – man steht mit geschlossenen Füßen in einem Kreis – leitet sich der Name des Spiels ab. »Geschlossene Füße« heißt auf französisch »pieds tanqués«, auf provencealisch »ped tanco«. Diese beiden Wörter zusammen gezogen bezeichnen die spezifische Sportart: Pétanque. Da das Spielfeld keinen strengen Regeln unterliegt, eröffnen sich vielerlei Möglichkeiten, das Spiel auszuüben. Man ist nicht beschränkt auf ein genau eingeteiltes Spielfeld, sondern spielt auf beliebigen Plätzen, vor Kirchen, in Parks oder auf ungepflasterten Wegen.

Die Entwicklung der Boulespiele reicht Jahrhunderte zurück. Schon im 13. Jahrhundert wurde in Frankreich mit Holzkugeln Boule gespielt. Hierbei ging es darum, die Kugel möglichst nahe an ein Ziel zu plazieren, entsprach also in etwa den heutigen Versionen. 1369 verbot Karl V. dieses Spiel, weil er die Staatssicherheit gefährdet sah, da die Soldaten anstatt Bogenschießen zu üben, ihre Freizeit lieber dem Boulespiel widmeten.

Genau so wie das Spiel verfolgt wurde, gab es andererseits auch öffentliche Unterstützung. Die berühmte Fakultät von Montpellier bestätigte im 16. Jahrhundert den Wert des Boulespiels für die Gesundheit: „Es gibt keinen Rheumatismus oder andere ähnliche Leiden, die nicht durch dieses Spiel vereitelt werden können; es ist für jede Altersstufe geeignet.“ Die Pariser Synode von 1697 untersagte allen Geistlichen, in der Öffentlichkeit Boule zu spielen. Ludwig XI. spielte häufig Boule und der bekannte Generalfeldmarschall Turenne galt als unschlagbar.

Die Popularität des Spiels stieg im 19. Jahrhundert stark an. Es wurde nicht mehr nur auf Wiesen außerhalb der Stadt gespielt, sondern auch in den Straßen und auf Marktplätzen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann in Lyon der Siegeszug des »Boule Lyonnaise«. 1894 wurde dort auch der erste Wettbewerb veranstaltet, bei dem über 1.000 Spieler drei Tage lang um die Plätze rangen. 1906 wurde der erste Verband gegründet. Im Jahre 1943 wurde der Boule-Verband – die Fédération Francaise de la Pétanque et du Jeu Provencal (F.F.P.J.P.) – ins Leben gerufen.

Zeittafel zur Geschichte der Kugelspiele

Zeittafel

Boule/Pétanque und Gesundheit

Sport hat in der heutigen Zeit für viele Menschen eine große Bedeutung und darüber hinaus unterschiedliche Funktionen.
Die Freude an der Bewegung und der Spaß in der Gruppe Gleichgesinnter sind nur zwei Motive von vielen.

Boule/Pétanque als eine Präzisionssportart mit moderater  Bewegung kann -wie andere Sportarten auch- einen großen Beitrag für die Gesunderhaltung bis in das hohe Alter leisten.

    - Voraussetzung ist, dass der Sport angemessen dosiert

    - die Bewegungen körpergerecht ausgeführt

    - und Überbelastungen vermieden werden.

 

Ausrüstung und Grundgedanke des Spiels

Das Spiel ist leicht zu erlernen (…aber nur schwer zu gewinnen).

Gespielt wird mit etwa faustgroßen, hohlen Stahlkugeln,
in Parks, Spielfeldern im Boulodrome, auf jeden Boden (keine Vorschriften).

Es spielen entweder zwei jeweils einzelne Spieler oder zwei Mannschaften - mit zwei oder drei Spielern - gegeneinander.

Jeder Einzelspieler hat 3 Kugeln, jede Mannschaft hat 6 Kugeln zur Verfügung.
Die Kugeln müssen mindestens 650 Gramm und dürfen höchstens 800 Gramm schwer sein.

Der Grundgedanke des Spiels ist, diese Kugeln so nah wie möglich an eine kleine Holzkugel - das Ziel, auch „Schweinchen“ oder „Sau“ genannt - heranzubringen.

Ziel und Vorgehensweise im Spiel

Der Zweck des Spieles ist erreicht, wenn eine der Mannschaften eine vorher festgelegte Punktzahl - üblicherweise 13 - gewonnen hat.
Um einen Punkt zu erreichen, kann man zwischen drei Vorgehensweisen wählen:

Legen
Die eigene Kugel näher an das Ziel rollen.

Schießen
Die gegnerische Kugel mit einem gezielten Wurf aus ihrer guten Position wegstoßen.

Die Sau verschieben
Das hölzerne Zielkügelchen mit einer Spielkugel so anstoßen, dass es von der gegnerischen Kugel weg und zur eigenen hin rollt.
 

Was ist ist der Unterschied zwischen Boule und Petanque ?

Eine sachliche Erklärung:

Boule, das französische Wort für Kugel, ist eigentlich ein Oberbegriff über verschiedene Varianten von Kugelspielen.

Wir spielen Petanque.

Petanque ist aus dem Provencalischen abgeleitet und bedeutet in etwa “fest stehende Füsse”, da man mit beidem Füssen am Boden aus einem Abwurfkreis spielt.

Eine etwas emotionalere Erklärung:

Es ist ein sonniger Nachmittag, man trifft Freunde und spielt im Schatten

der Bäume das in Frankreich entstandene Spiel.

Es gibt 2 Mannschaften und man versucht mit seinen Kugeln möglichst nahe an die kleine Holzkugel zu kommen, die in einigen Metern Entfernung liegt.

Mal macht man Punkte, mal nicht, bis eine Mannschaft 13 Punkte hat und das Spiel gewinnt.

Entspannung pur und eine unglaublich schöne Freizeitbeschäftigung für Jung und Alt.

Das ist Boule !

 

 

...und was ist dann Petanque?

 

Betrachten wir eine typische Spielphase im Rahmen einer offiziellen Meisterschaft des Deutschen Petanque Verbandes:

Der eigene Club hat in den letzten Spielen eine ganz tolle Mannschaftsleistung gezeigt.

Heute ist der letzte Ligaspieltag im Jahr und es geht darum, ob wir oder unsere Freunde in die nächste Liga aufsteigen.

Wer dieses Spiel jetzt gewinnt, steigt auf.

Beide Mannschaften haben jetzt 12 Punkte, wer den nächsten Punkt macht, hat gewonnen. Das Schweinchen liegt auf 10 m und die gegnerische Kugel liegt 20 cm vom Schweinchen weg. Dann kommt unsere mit 30 cm.

Du hast die letzte Kugel im Spiel.

Es liegt jetzt alles bei dir…

…willst Du versuchen noch näher als die gegnerische Kugel zu legen ? …oder sollst Du schiessen ?

Der Boden ist steinig und uneben. Es ist schwer auf diese Entfernung noch besser zu legen.

Wenn Du es jetzt schaffst auf 10 m die gegnerische Kugel genau zu treffen und wegzuschiessen….dann liegt unsere Kugel auf Platz 1 und wir steigen auf.

Du hast 1 Minute Zeit um dich zu konzentrieren…,

…um Dich herum stehen 50 Zuschauer, es ist absolute Stille, alle schauen auf Dich….

Du zielst, …holst Schwung, schiesst und …. triffst ! direkt auf die gegnerische Kugel ! …..Gewonnen !!!,

Das ist Petanque !!

Imagefilm "Faszination Boule"

Unter der Rubrik "Boule ist cool" auf der Webseite des Boule und Pétanque Verband NRW hat Norbert Koch (Beauftragter des BPV NRW für den Landessportbund NRW) einen sehr sehenswerten Imagefilm über die Faszination Boule freigegeben, den ihr unter diesem Link anschauen könnt:

http://youtube.com/watch?v=ppPGtbQQMIk

"Fanny"

Die abgebildete "Fanny" (Bild rechts) ist eine Besonderheit:

Verliert ein Spieler oder eine Mannschaft das Spiel ohne einen Punkt erzielt zu haben, so muss er / die Mannschaft rechts  abgebildete Fanny auf den Allerwertesten küssen.                                                                                                                   Dieses Ritual stammt Überlieferungen zufolge aus Savoyen (Frankreich). Dort durften die Verlierer eine Kellnerin namens Fanny auf beide Wangen küssen.                                                                                                                                               Als eines Tages der Bürgermeister ebenso verlor und sich seinen Trost abholen wollte, demonstriere Fanny wohl Ihren Unmut und zeigte dem Dorfchef überdeutlich, was sie von ihm hielt. Der war kein Spielverderber und gab zwei herzhafte Schmatzer auf Fannys Popo.

Wer heutzutage also 13:0 verliert, braucht sich keine Kellnerin mit nacktem Hintern suchen - es reicht, die in der Regel auf jedem Bouleplatz als Bild aufgehängte "Fanny" auf den Hintern zu küssen.

Bouleweisheiten

„Boule-Spieler sind sowohl die friedliebendsten als auch die verrücktesten Menschen der Welt.“ (Honoré de Balzac)

„Es werden Kugeln in den Dreck geworfen, um sie dann wieder einzusammeln.“

„Das Boulespiel ist gut gegen Rheuma und alle möglichen anderen Leiden, und es ist für Menschen aller Altersstufen geeignet, vom Kind bis zum Greis." (Francois Rabelais, Schriftsteller und Humanist)

„Ärgere dich nicht, wenn jemand gut legt oder carreaus am laufenden Band schießt. Begreife es als Herausforderung, lass dich nicht davon beeindrucken."

„Boule ist die schönste Art einen Nachmittag zu vertrödeln.“ (Papazian)

„Das Unwiderstehliche an Boule ist; es ist ein Sport für Unsportliche und einer, der das Altwerden nicht zum Verfalldatum macht, dem Alter Würde, ja Grazie lässt.“

„Boule vereint: Leidenschaft, Faszination, Präzision, Konzentration, Meditation, Überraschung, Sinnlichkeit, Herausforderung, Kreativität, Kommunikation, Lebenslust und Fingerspitzengefühl.“

Vielleicht geht es Ihnen wie mir: „Zuerst habe ich die Kugeln nicht rechtzeitig losgelassen, jetzt lassen die Kugeln mich nicht mehr los. Das ist Faszination BOULE & PETANQUE (Reiner Meiners, Sportwart TV Jahn-Rheine).

Die wichtigsten französischen Boule-Ausdrücke

 

le barrage------------------Entscheidungsspiele  zur Qualifikation zur Hauptrunde im Wettbewerb
le bec------------------------Benutzen einer Kugel, die bereits im Spiel liegt, als Bande
le biberon -----------------Mitnehmen des Ziels  mit einer Kugel im Spiel
le bouchon ---------------Ziel (südfranzösisch)
la boule --------------------Kugel
le boulodrome ---------- künstlich angelegter  Spielplatz
le but ---------------------- Ziel (nordfranzösisch)
le cadrage --------------- Entscheidungsspiel zur  Qualifikation zur Hauptrunde im Wettbewerb
le carreau --------------- Volltreffer
la casquette ----------- Treffen einer Kugel von oben, "auf die Mütze"
le cochon,
le cochonnette --------Ziel  (Schweinchen)
le cornichon ----------- Ziel (Gürkchen)
la demi-portèe -------- Halbbogen
la donnèe --------------- Aufschlagpunkt
la doublette ------------- Zweiermannschaft
la mêlèe ----------------- Wettbewerbsform (am Anfang zugeloste Partner)
la mène ------------------ Aufnahme
le milieu ------------------ Mittelspieler in  Dreiermannschaft

 

le palet (roulant) ------- Schusskugel, die nicht  weit wegrollt ("rollender Spielstein")
le petit -------------------- Ziel (Kleines)
pointer -------------------- legen
le pointeur ----------------Leger
la portèe ----------------- hoher Bogen
la raclette ---------------- Flachschuss (Kratzer)
la rafle --------------------- Flachschuss
le retro -------------------- Schusskugel, die nach  Aufprall zurück rollt
le rond ---------------------Abwurfkreis
la roulette --------------- gerollte Kugel beim Legen (Rollen)
la supermêlèe --------- Wettbewerbsform (für jedes Spiel wird ein neuer Partner zugelost)
la tête a tête ------------Spiel zwischen zwei Einzelspielern
tirer -------------------------Schießen
le tir devant---------------Schuss vor die Kugel
le tir au fer----------------direkter  Schuss
le tireur---------------------Schießer
la tirette--------------------Messgerät  (metallener Zollstock mit einem verschiebbaren Teilstück
la triplette---------------- Dreiermannschaft